Mann balanciert mit verbundenen Augen auf einem Seil durch den Himmel - bildlich dafür, dass Flugzeugfonds eine risikoreiche Kapitalanlage sind

Flugzeugfonds – eine risikoreiche Anlage

Den Anlegern in Flugzeugfonds wurden regelmäßig hohe Renditechancen in Aussicht gestellt. Eine hohe Rendite ist allerdings immer auch mit hohen Risiken verbunden. Diese Risiken sind vielen Anlegern nicht bewusst. Gerade wegen der aktuellen Marktsituation beim Airbus A380 hat sich die Eintrittswahrscheinlichkeit dieser Risiken enorm erhöht.

Mit folgenden Risiken – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – ist eine Investition in einen Flugzeugfonds für Anleger verbunden.

 

Risiko des Totalverlustes

Die Investition in einen geschlossener Flugzeugfonds ist eine unternehmerische Beteiligung. Eine unternehmerische Beteiligung birgt stets das generelle Risiko des Totalverlustes. Es besteht weder eine Einlagensicherung noch eine anderweitige Absicherung des investierten Kapitals. Dieses Verlustrisiko wird auch keineswegs durch den oft erwähnten Sachwertgedanken oder die in Aussicht gestellte Einnahmensicherheit aus den lang laufenden Leasingverträge kompensiert. In der Vergangenheit hat sich das Totalverlustrisiko häufig dann realisiert, wenn die eigentlich eingeplanten Einnahmen weggebrochen sind. So haben in der Finanzkrise viele Schiffe ihre Beschäftigung verloren und mehr als 500 Schiffsfonds sind daraufhin in die Insolvenz gegangen. Eine parallele Entwicklung im Bereich der Flugzeugfonds ist erkennbar. So verlieren die Flugzeuge des Typs Airbus A380 ihre Beschäftigung wodurch den Flugzeugfonds die Leasingeinnahmen wegbrechen.

 

Haftungsrisiko der Anleger

Neben dem Totalverlustrisiko bestehen für Anleger geschlossener Flugzeugfonds noch weitere Haftungsrisiken. In der Regel haften die Anleger als Kommanditist mit ihrer vollen Einlage. Darüber hinausgehende Nachschusspflichten sind zwar mittlerweile die Ausnahme. Dennoch kann es dann zu einer Haftung kommen, wenn durch Entnahmen (Ausschüttungen) die ursprüngliche Einlage unter die Hafteinlage sinkt und damit die Haftung gem. § 172 Abs. 4 HGB wieder auflebt. Auch wenn bei Flugzeugfonds die Haftung für die Kommanditisten durch eine geringere Hafteinlage beschränkt wurde, ist die Haftung für die Anleger damit nich vollständig ausgeschlossen. Lebt die Haftung auf, sind die Anleger verpflichtet, ihre vereinnahmten Ausschüttungen zurück zu zahlen. Auch dies folgt aus der Mit-Unternehmerschaft des Anlegers.

 

Ausfallrisiko eines wichtigen Vertragspartners

Der Geschäftszweck eines Flugzeugfonds ist darauf gerichtet, das Flugzeug an eine Airline zu verleasen. Die Leasingeinnahmen dienen – vereinfacht gesagt – zur Deckung der Fondskosten, der Bedienung der Kreditraten und bestenfalls der Ausschüttung an die Anleger. Der Fonds ist zur Umsetzung seiner wirtschaftlichen Ziele daher auf die Zahlungen der Airlines aus den Leasingverträgen angewiesen. Kommt die Fluggesellschaft daher ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Fonds nicht oder nicht vollständig nach, brechen dem Fonds die Einnahmen weg. Der Ausfall dieses wesentlichen Vertragspartners hat zur Folge, dass der Fonds weder seine Kosten decken noch die Kreditraten fristgerecht bedienen kann. Der Fonds ist daher im Besonderen auf die Zahlungswilligkeit und Zahlungsfähigkeit der Airline angewiesen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Marktverhältnisse mit Blick auf die Corona-Pandemie erscheint der dauerhafte Ausfall einer Airline mittlerweile nicht mehr völlig ausgeschlossen zu sein.

 

Beschäftigungsrisiko bezüglich der Flugzeuge

Für die Airlines besteht gerade beim Airbus A380 ein nicht zu unterschätzendes Beschäftigungsrisiko. Dies ergibt sich daraus, dass die Flugzeuge über den ersten Leasingvertrag hinaus keine Anschlussbeschäftigung mehr finden.

Der zum Zeitpunkt des Beitritts der Anleger bestehende Erstleasingvertrag besitzt in der Regel eine Laufzeit von 10 Jahren. Die geschlossenen Flugzeugfonds planen in ihren Kalkulationen aber regelmäßig mit Leasinglaufzeiten von 15 Jahren und mehr. In den Fondsprospekten heißt es meist, dass die Airline nach Ablauf der ersten Leasingperiode eine Verlängerungsoption ziehen kann. Wegen des fehlenden Interesses an dem Airbus A380 lassen die Airlines die Leasingsverträge derzeit jedoch auslaufen und geben die Flugzeuge an die Fonds zurück (link: siehe A380-Krise erreicht deutsche Anleger spätestens mit Auslaufen der Leasingverträge).

Derzeit erscheint es daher sogar ausgeschlossen, dass die Flugzeuge überhaupt noch wirtschaftlich sinnvoll beschäftigt werden können. Findet sich keine Anschlussbeschäftigung, muss der Fonds mit hohen Stand- und Wartungskosten für das Flugzeug rechnen. Diese würden binnen kürzester Zeit das Fondsvermögen aufzehren und könnten den Fonds in die Insolvenz treiben. Meist bleibt dann zur Rettung des Fonds nur die Veräußerung des Flugzeugs unter Wert. Mit dem Veräußerungserlös lassen sich in der Regel nur die bestehenden Kreditlinien des Fonds ablösen. Ausschüttungen sind nicht mehr darstellbar und die Anleger haben das Nachsehen. Mit einer fehlenden Beschäftigung der Flugzeuge sind daher massive Risiken für den Anleger verbunden.

 

Fremdfinanzierungsrisiko

Das Fremdfinanzierungsrisiko ist allen geschlossenen Flugzeugfonds immanent. Es stellt für die Anleger ein hohes Risiko dar. In der Regel wurde der Erwerb der Flugzeuge nicht nur mit den Geldern der Anleger finanziert. Zu einem ganz großen Teil hat der Fonds Bankkredite aufgenommen. Bedient werden diese Kredite aus den Leasingeinnahmen. Zum einen besteht hier das Risiko, dass die Kreditzinsen keineswegs immer für die gesamte Laufzeit der Finanzierung fest vereinbart worden sind. Änderungen der Kreditzinsen und Margen aufgrund einer geänderten Risikoeinschätzung durch die Bank ziehen daher erheblich höhere Finanzierungskosten mit sich. Dies kann im schlimmsten Fall sogar zur Zahlungsunfähigkeit der Fondsgesellschaft führen. Zum anderen besteht das Risiko, dass die Einnahmen des Fonds wegbrechen und der Kredit dann insgesamt nicht mehr bedient werden kann. Die finanzierende Bank wird den Kredit dann kündigen und das Flugzeug als Kreditsicherheit verwerten. Die Anleger hätten dann meist das Nachsehen.

 

Renditerisiko

Bei den in den Prospekten dargestellten Einnahmen der Flugzeugfonds handelt es sich um Prognosen. Daher besteht immer das Risiko, dass sich der Fonds anders als prognostiziert entwickelt. So können die Einnahmen geringer als erwartet ausfallen. Auch können sich die Ausgaben anders entwickeln als prognostiziert. Ursache für eine (deutlich) geringere Rendite kann zudem eine zu optimistische Ertragsprognose im Prospekt durch die Fondsinitiatoren sein.

Mit dem Renditerisiko ist gleichzeitig auch immer das Branchenrisiko verbunden. Der Erfolg des Investments hängt bei geschlossenen Fonds nämlich meist auch von der Entwicklung der gesamten Branche ab, in welcher der Fonds tätig ist. Dieses Branchenrisiko hat sich aktuell bei den A380-Flugzeugfonds realisiert, da die Airlines sowohl unter den eingebrochenen Fluggastzahlen aufgrund der Corona-Pandemie leiden aber auch schon zuvor das Interesse an diesem Flugzeugtypen verloren hatten. Daher ist bei den meisten Flugzeugfonds damit zu rechnen, dass es in den nächsten Jahren keine Ausschüttungen mehr geben wird und damit die Renditeziele nicht erreicht werden.

 

Eingeschränkte Fungibilität

Ein weiteres Risiko für Anleger in einen geschlossenen Flugzeugfonds stellt die mangelnde Fungibilität der Fondsanteile dar. Die einmal erworbenen Fondsanteile können nicht einfach gegen Rückzahlung der Einlage an die Fondsgesellschaften zurückgegeben werden. Auch ein Verkauf über einen Zweitmarkt ist nicht so einfach möglich. Zwar existieren entsprechende Marktplätze wie z.B. die Fondsbörse Hamburg. Diese Marktplätze sind jedoch nicht reguliert und nicht liquide. Ein mit einer Wertpapierbörse vergleichbarer Zweitmarkt für geschlossene Fondsanteile existiert bis heute nicht. Die Anteile an einem Flugzeugfonds sind als Kommanditanteile daher grundsätzlich an die Person des Anlegers gebunden. Ein vorzeitiger Verkauf ist somit nur unter erschwerten Bedingungen möglich und nicht selten muss der Anleger erhebliche Abschläge im Vergleich zu seiner ursprünglich geleisteten Einlage hinnehmen.

 

Darüber hinaus sind mit dem Erwerb eines geschlossenen Flugzeugfonds regelmäßig noch weitere Risiken verbunden. Diese können hier nicht alle abschließend aufgezählt werden. Sie können je nach Fondskonzeption variieren. Eine Übersicht über die wesentlichen Risiken des jeweiligen Fonds findet sich regelmäßig im jeweiligen Fondsprospekt.




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